.Nach dem Pokal in der Vorwoche startete an diesem Wochenende auch der Ligabetrieb für die SG Handwerk. Mit dem SV Seilerwiesen war einer der Landesklasseabsteiger am Umfassungsweg zu Gast. Also schon mal ein ordentliches Brett, was es da zu bohren galt.
Personell sah das bei den Gastgebern ordentlich aus. Und machen wir uns nichts vor, irgendwer fehlt doch immer.
Das Duell startete gleich mal vielversprechend. Das Visier schien bei beiden Teams sehr offen. Es waren noch nicht alle Muskeln warm, da gab es schon das erste große Ausrufezeichen. Handwerks Helmecke hatte den Ball erobert und zeitgleich gesehen, dass Seilerwiesens Torhüter nicht gerade ideal stand. Also einfach rein mit dem Ding zum 1:0 für die SGH.
So hatte man sich hier den Saisonstart vorgestellt. Die Gäste waren früh zum Handeln gezwungen. Konnte der Spannung auf dem Feld nur gut tun. Die Folgezeit sah den SVS mehrheitlich im Ballbesitz. Handwerk war angehalten, die Räume und Lücken möglichst klein zu halten.
Sonst würden grobe Fehler sofort bestraft werden.
Trotz sommerlicher Temperaturen gab es kaum mal eine Verschnaufpause. Beide Mannschaften suchten ohne langes Zögern den Weg Richtung Tor. Schon hier hatte man das Gefühl, es würden noch einige weitere Treffer fallen. Dieser Eindruck täuschte nicht, denn in der 20. Minute kam Seilerwiesen zum 1:1 Ausgleich. Ganz überraschend war das nicht. Die Jagd nach drei Punkten begann für beide also von Neuem. Ecken hier, Freistöße da, es wurde einiges geboten. Bis zum Halbzeitpfiff blieb die Anzeigetafel aber unverändert.
Die Pause schienen die Gäste für sich besser genutzt zu haben. Denn mit Beginn des zweiten Durchgangs war es Seilerwiesen, die das Geschehen mehr und mehr in die Hand nahmen. Handwerk hatte alle Hände und Füße voll zu tun, den Rückstand zu verhindern. Ob das lange gut gehen würde ?
Eigentlich war ja auch ein eigener Sieg das erklärte Ziel. Nun musste man aber erst mal eine mögliche Niederlage verhindern.
Dieses Unterfangen hielt bis zur 57. Minute. Hier nutzen die Gäste eine ihrer Möglichkeiten zum 1:2. Jedoch legte sich der Vorlagengeber den Ball mit der Hand vor, was ungeahndet blieb. Ergebnis gedreht und die SGH zum Handeln gezwungen. Der Frust ob der Ungerechtigkeit war nachvollziehbar und es kam gar noch dicker für Blau – Weiß. In der 62. Minute stellte der SVS sogar auf 1:3.
Das Pendel schien nun eindeutig in eine Richtung auszuschlagen. Konservative Buchmacher witterten schon ihren Gewinn auf dem Wettschein. Was sollte hier noch passieren ? Der vermeintliche Favorit mit zwei Treffern in Front. Der Kontrahent nah am Boden, und die Uhr tickte gnadenlos.
Spielverderber waren ja schon in Kindertagen recht selten beliebt. Diese bekannte Floskel wollte die SG Handwerk aber mal zu gerne austesten. Denn anstatt sich artig ihrem Schicksal zu ergeben, besaß das Team doch wirklich die Frechheit, von den Toten aufzuerstehen. Was hatte man denn jetzt auch noch zu verlieren.
Verloren hatte man ja eigentlich schon. So war es Helmecke, der in der 66. Minute nach Einwurf von Thurm mit dem Kopf das 2:3 erzielte. Ab hier an gab es kein Halten mehr. Jeder Handwerker schien ein drittes Bein bekommen zu haben. Anders ließ sich dieser Einsatz nicht erklären. Es wurde gerannt, gegrätscht, Fehler erzwungen, Chancen erarbeitet.
Obwohl 22 Akteure auf dem Platz standen, spielte nur noch eine Mannschaft. Mit dem klaren Ziel vor Augen erzwang die SGH auch noch einen Foulelfmeter in der 79. Minute. Und als wieder Helmecke (wer auch sonst), dass Ding unhaltbar in die Maschen jagte, und so das 3:3 markierte, war die Stimmung fast auf dem Höhepunkt.
Der Motor, also die Mannschaft, lief nun auf absoluten Hochtouren, man konnte gar nicht mehr bremsen. Und warum auch. Hier war ganz Großes möglich. Ein Punkt ist kein Punkt. Seilerwiesen schien inständig um den Schlusspfiff zu bitten. Handwerk hingegen wollte noch mehr.
So spielte der eingewechselte Kohnert einen Sahneball in den Lauf von Kollege Langer. Dieser blieb trotz Gegenwehr voll im Geschehen und profitierte von einer Uneinigkeit zweier Gäste. Das Spielgerät dann zum 4:3 über die Linie zu bringen, war dann ein Leichtes.
Das Stadion flippte vollkommen aus. Schlüpfer wurden aus purer Ekstase aufs Feld geworfen. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. Die restlichen Minuten waren dann Freude pur. Denn bis zum Ende passierte nichts mehr. Handwerk hatte ein gefühlt verlorenes Spiel noch gewonnen. Nun wäre es einfach, einzelne Akteure gesondert zu erwähnen.
Es war aber eine Mannschaftsleistung, die dieses kleine Wunder möglich gemacht hatte. Jeder Handwerker hatte seinen Anteil am Erfolg. Denn Einsatzbereitschaft, Spielfreude, Wille und der Teamgedanke hatte in jedem diese Kräfte freigesetzt.
Gerne in den nächsten Wochen mehr davon. Und das wird notwendig sein. Wird das umgesetzt, gibt es noch einiges zu bejubeln.
(rt)
Aufstellung:
Ganzer – Brentrop (65. Alabdullah), Reeh, Erdmann, Schöber (67. Kohnert) – Langer, Bode, Popien, Fieseler (65. Ahmed Mohamud)- Helmecke (83. Kuster), Thurm
Tore:
1:0 Helmecke (5.)
1:1 Grzenda (20.)
1:2 Stridde (57.)
1:3 Engels (62.)
2:3 Helmecke (66., Thurm)
3:3 Helmecke (79., FE, Helmecke)
4:3 Langer (84., Kohnert)
Gelbe Karten:
Brentrop / Skorsetz, Schmuths
Schiedsrichter:
Adrian Gehring (Oskar Möbus, Franz Matthes)
Zuschauer:
32
