.Nach so einer Sommervorbereitung ist es meist wie nach einer zünftigen Vereinsfeier, keiner weiß so recht, wo er steht. So erging es auch der ersten Mannschaft der SG Handwerk. Es gab immer wieder Licht und Schatten bei den Auftritten der letzten Wochen. Und mit der Zweitvertretung der Roten Sterne stand einem ein sicher unbequemer Kontrahent gegenüber. Da es zudem noch ein Pokalspiel war, war verlieren verboten.
Der Anpfiff war ertönt, und schon sah sich die SGH als Auswärtsmannschaft in der Ballbesitzrolle. Erst mal Sicherheit gewinnen, gucken, was der Gegner so vorhat. Und natürlich, sich bietende Lücken zu nutzen.
So wie in der 7. Minute. Thurm spielte einen Pass Richtung Strafraum. Sudenburgs Torwart wollte das Ding außerhalb des Sechzehners noch abfangen. Funktionierte so semi. Der Ball landete bei Handwerks Bode und dieser traf sehenswert über Mann und Maus hinweg ins leere Tor. Die frühe Führung und etwas Balsam auf die Seelen der Gäste.
Schon hier merkte man, wie man den Gastgebern beikommen könnte. Ständige Arbeit würde diese Defensive wohl nicht ewig verkraften. Ein weiteres Beispiel hierfür gab es nur zwei Minuten später. Ganzer mit einem elend langen Abschlag Richtung linke Außenbahn. Fieseler kam mit Zielstrebigkeit und etwas Glück in Ballbesitz und legte das Ding in die lange Ecke. 2:0 nach 10 Minuten, besser konnte man kaum starten.
Von nun an hielten die Gäste alle Trümpfe in der Hand. Die Sterne mussten was zeigen, Handwerk brauchte nur defensiv gut stehen und sich weiter ergebende Angriffe eiskalt nutzen. Soweit die Theorie. Das erste große „Aber“ gab es nur vier Minuten später.
Ohne Not schenkte man den Hausherren einen Foulelfmeter, der dann auch noch verwandelt wurde. Na gut, noch war man ja mit 2:1 in Front. Solange man keine weiteren Geschenke verteilen würde, alles im Rahmen. Dieser Anschlusstreffer brachte aber einen Bruch in das Spiel der Handwerker. Zu einfache Ballverluste, zu viel Risiko, zu häufig unnötige Fehler.
Damit machte man den Gegner stärker und sich selbst schwächer. In der Folgezeit waren es die Sterne, die die gefährlichen Abschlüsse hatten. Mit ein bisschen Pech hatte man auch den Ausgleich kassieren können. Insgesamt war das Duell aber auf einem mehr als überschaubaren Niveau. Schick und schön geht anders.
Mit zunehmender Spielzeit wurde das Ganze ruppiger und foul – lastiger. Ohne weitere „Highlights“ verschwanden beide Teams nach 45 Minuten in den Kabinen. Die SGH musste sich dringend neu sortieren. Sonst würde es ein Tanz auf der Rasierklinge werden.
Also besser schnellstmöglich für klare Verhältnisse sorgen. Und kurz nach Wiederbeginn war sie auch da, die Riesenchance. Und mehr noch, der Ball lag sogar im Tor der Sterne. Regelgerecht, eigentlich. Denn ein komplett falscher Abseitspfiff ließ das 3:1 nicht zählen.
Die Jungs in schwarz rückten zunehmend in den Mittelpunkt. Das Duell wurde immer fahriger. Sudenburg mit dem Drang nach vorn, Handwerk fast nur noch defensiv präsent. Dabei gab es doch die Möglichkeiten und Räume, um mal schnell umzuschalten.
Phasenweise hatte das hier nichts mehr mit Fußball zu tun. Fouls, permanentes Gequatsche, Zeitspiel, „Spiel der Woche“ würde das hier nicht mehr werden. Es lief schon die 90. Minute, als die nächste Riesenaufregung anstand. Hier hätten sich die Gäste nicht beschweren dürfen, wenn es den abermaligen Strafstoß für die Hausherren gegeben hätte. Schwein gehabt. Es lief schon der Abspann dieses nicht empfehlenswerten B- Movies, als hier noch die Kirsche auf die Torte gesetzt wurde. Für eine Tätlichkeit holte sich ein Stern noch die rote Karte ab. Passte einfach ins heutige Bild.
Dies war quasi der Schlusspfiff, denn danach war zum Glück Feierabend.
Was die Heimseite aber nicht davon abhielt, noch eigene Körperflüssigkeiten unter den Gästen zu verteilen. Unter aller Sau so was. Dann doch bitte demnächst mit Mundschutz spielen.
Handwerk hatte sich also mit Ach und Krach in die nächste Runde gewürgt. Natürlich zählt in erster Linie das weiterkommen. Schönheitspreise oder Fotos gibt’s nur bei Heidi Klum. Und es lag mitnichten am Gegner, dass das hier und heute kein Sahneauftritt war. Die Kreuziger – Elf hatte es sich vor allem selbst schwer gemacht.
Gegen solche Kontrahenten reichen recht ordentliche 15 Minuten für den vollen Erfolg. Es kommen aber andere Kaliber, da muss schon mehr auf die Platte gebracht werden. In der Lage ist die Mannschaft dazu, sie muss es nur abrufen. Möglichst über 90 Minuten.
(rt)
Aufstellung:
Ganzer – Alabdullah (78. Brentrop), Reeh, Erdmann, Ahmed Mohamud – Langer, Bode, Edmond, Fieseler (84. Kohnert) – Thurm (70. Schöber), Zobel (70. Klitsch)
Tore:
0:1 Bode (8.)
0:2 Fieseler (10., Ganzer)
1:2 Weser (14., FE)
Gelbe Karten:
Reiter, Weser / Bode, Langer
Rote Karte:
Fasou (RSS II, 90.+3, Tätlichkeit)
Schiedsrichter:
Jan Erik Göbecke (Leonard Lindner, Frank-Detlef Stietzel)
Zuschauer:
50
