.Sonntag, 16:30h. Eine perfekte Zeit, um bei Oma Kaffee zu trinken, oder mit dem Hund eine Runde zu drehen. Aber Fußball spielen, ohne in der Premier League aktiv zu sein ? Geschmackssache. Aber der Spielplan erwartete nun mal die SG Handwerk zum Gastspiel beim SV Fortuna III. Wie schon die Wochen zuvor war es erst mal zweitrangig, wem man gegenüber stand. Die eigenen Hausaufgaben mussten erledigt werden.
Und dafür war es unabdingbar, von Minute 0 an, hellwach und voll in der Partie zu sein. Und dieses Gesicht zeigte die SG Handwerk auch vom Anpfiff weg. Hier gab es nicht wirklich ein langes Abtasten. Ewiges Ballkontakte-Sammeln hatte kein Team auf dem Matchplan. Es entwickelte sich ein munteres Duell mit offensiven Szenen auf beiden Seiten. Hier scheiterte Handwerks Langer in kurzer Zeit 2 x am Aluminium.
Da war es wieder, dass fehlende Spielglück. Und wer kein Glück hat, bekommt auch noch „Pech“ dazu. So ging Fortuna nach einen halben Stunde mit 1:0 in Führung. Aber die SGH war trotzdem gut drin im Geschehen. Nur Momente später war Zobel mit Ball quasi alleine Richtung gegnerisches Tor unterwegs, wurde aber mehr als unsanft gestoppt. Dann ein Pfiff, Foulspiel. Richtigerweise. Weshalb es aber dann weder rot, noch gelb gab, konnte nicht einleuchtend ergründet werden. Selbst in Bussen sind die Notbremsen mit der Signalfarbe gekennzeichnet.
Aber auch dieser weitere Nackenschlag brachte keinen Bruch in den Handwerker Auftritt. Lohn der Mühen war dann der verdiente 1:1 Ausgleich durch Popien, quasi mit dem Halbzeitpfiff.
Nun erst mal Kräfte sammeln, etwas trinken, die Augen an die hereingebrochene Dunkelheit gewöhnen.
Unter Flutlicht kam nun leichte Europapokal – Atmosphäre auf am Schöppensteg. Zum Glück hatte der Pausentee dem Spielgeschehen keinen Abbruch getan. Beide Teams agierten weiter munter drauf los. Wobei die Gäste einen sehr ordentlichen Auftritt hinlegten. Und in den vergangenen Partien war ja immer Durchgang 2 der Bessere.
Dies ließ die Hoffnung weiter wachsen. Hier und heute Zählbares mitzunehmen, war absolut im Bereich des Möglichen. Und diese Hoffnung bekam in Minute 56 weitere Nahrung. Nach einem Freistoß von Geburtstagskind Thurm war es Raschig, der aus dem Gewühl heraus die 2:1 Gästeführung erzielen konnte.
Es war der Lohn für die bisherigen Mühen. Aber die größte Mühe sollte natürlich noch folgen. Denn dieser Zwischenstand sollte nun noch über die Zeit gebracht werden. Und klar war auch, dass Fortuna alles daran setzen würde, dies zu verhindern.
Handwerk musste einfach nur konsequent weiter verteidigen und die sich bietenden Konterchancen möglichst nutzen. So hatte Langer die wahrscheinlich endgültige Entscheidung auf dem Fuß, verzog aber nur um Haaresbreite. Die Kräfte schwanden nun, der Druck der Hausherren wuchs minütlich. Hier eine Flanke, da ein Freistoß, Ganzer im Handwerker Tor hatte alle Hände voll zu tun. Die letzten Minuten brachen an und irgendwie hatte man das Gefühl, hier liegt noch etwas in der Luft. Und so kam es auch. Die 89. Minute bescherte den Gastgebern einen sehr zweifelhaften Strafstoß.
Sorry, aber das war etwas zu wenig für so eine Entscheidung.
Der Elfer wurde verwandelt und es stand mit Beginn der Nachspielzeit 2:2. Vom Spielverlauf sicher ok, aber bitte nicht so. Aber die Spielleitung hatte noch ein weiteres „Leckerli“ auf Lager. Tief in der Bonuszeit wurde ein weiteres Mal auf den ominösen Punkt gezeigt. Natürlich wieder für den SVF.
Es war zum Haare raufen. Sollte einem der wartende Punkt auch noch genommen werden ? Nicht in den Augen von Handwerks Keeper Ganzer. Dieser wurde zum Helden und parierte den Strafstoß glänzend. Und auch dann war noch nicht Schluss. Die SGH mit dem allerletzten Angriff und der Chance auf den Lucky Punch.
Aber das komplette Glück blieb ihnen verwert. So endete ein hochemotionales Duell mit einem leistungsgerechten Unentschieden. Handwerk hatte dem Tabellenführer über die gesamte Spielzeit Paroli geboten, ließ sich auch vom zwischenzeitlichen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. Es war eindeutig ein gewonnener Punkt. Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Großer Respekt gebührte allen SGH – Akteuren, die ihr letztes Hemd auf dem Platz gelassen hatten. Mit dieser Moral und Einstellung ist der so erhoffte Dreier in mehr als greifbarer Nähe.

(rt)

Aufstellung:
Ganzer – Brentrop, Erdmann, Raschig, Kleinert (46. Schöber) – Kohnert (71. Reeh), Popien, Edmond, Langer – Thurm, Zobel (90.+1 Kreuziger)

Tore:
1:0 Kirchhoff (33.)
1:1 Popien (45., Langer)
1:2 Raschig (56., Langer)
2:2 Heidel (89., FE)

Besonderes Vorkommnis:
Heidel (Fortuna) scheitert mit FE an Ganzer (90.+4)

Gelbe Karten:
Kirchhoff, Franzelius, Heidel / Edmond, Popien, Schöber, Erdmann

Schiedsrichter:
Memis Ozcan (Jonas Mädel, Christian Knorr)

Zuschauer:
50