.An diesem Samstag war es mal wieder soweit. Das einzig wahre Neustadt-Derby stand an. Okay, die ganz große Brisanz vergangener Jahre und Jahrzehnte scheint etwas verflogen. Neue Gesichter, weniger Verbindung zu den beiden Vereinen aus der persönlichen Vergangenheit, alles Faktoren, die da mit reinspielen. Aber es ging in erster Linie um 3 Punkte, und die nimmt ja jeder gerne mit.
Personell war das bei der SG Handwerk ganz ordentlich.
Irgendwer fehlt ja immer. Also das All-Star-Team stand nicht auf dem Platz. Aber hier und heute zählten andere Parameter. Handwerk vom Anpfiff weg in der spielbestimmenden Rolle. Kommt man mittlerweile immer besser mit zu recht. TuS Neustadt eher tief gestaffelt, erst mal warten, was da kommt. Mit soviel Mann in einer Hälfte, bleibt wenig Raum zur kreativen Entfaltung. Aber die SGH suchte nach Lösungen, nur nicht die Ruhe verlieren. So ließen die ersten guten Einschussmöglichkeiten nicht lange auf sich warten. Noch aber fehlte der letzte Touch zum Glück. Dadurch wurde der Gast natürlich mutiger, traute sich eigene Offensivaktionen zu. Da war das 1:0 von Handwerks Popien so etwas wie eine Erlösung. Es waren genau 30 Minuten gespielt. Noch heute streiten sich die Experten, ob es eine direkt verwandelte Ecke oder ein Eigentor war. Wer es mit den Gastgebern hielt, hoffte dadurch auf eine Initialzündung. Aber das war nur bedingt zu erkennen. Nun hat so eine knappe Vor-und Nachteile. Einerseits bleibt man wach und konzentriert, andererseits kann einem ein einziger Gegentreffer die Tour versauen.
Da auf beiden Seiten nichts Zählbares mehr zu vermelden gab, ging es mit der knappen Führung in die Kabinen. Für die SG Handwerk war es dann doch knapper und kniffliger, als man es sich sicher gewünscht hatte. Aber es war auch klar, dass man nur ganz allein den Spielausgang beeinflussen konnte. Positiv wie negativ. So war man mit Beginn des neuen Durchgangs wieder sofort im Vorwärtsgang. Eine schnelle Entscheidung sollte her.
Die Gäste waren kämpferisch gut dabei, dass zeigte sich schon allein durch einige gelbe Karten und massig Freistöße für die SGH. Zwischenzeitlich kam dann noch neues Personal aufs Feld. Trikots werden eh gewaschen, also gerne vorher durchschwitzen. Von außen schien es wie eine sichere Kiste, aber beruhigend war das Ganze noch nicht. Das änderte sich mit der 71. Minute. Präziser Ball auf Langer, schneller und cleverer als der schwarz-gelbe Rest, 2:0. Fußball kann so einfach sein. Von da an lief es wie geschnitten Brot. Der Ball kannte nur noch eine Richtung. Langer Einwurf von Thurm, Verlängerung von Oldie Schulz und Joungster Mohamud stand am langen Pfosten goldrichtig. Der nahende Siegesrausch ließ die Hausherren defensiv etwas nachlässig werden, ermöglichte TuS so den 1:3 Anschlusstreffer.
Nicht mehr, als ein kleiner Schönheitsfehler. Denn nur Momente später stellte Brentrop mit einem satten Schuss unter die Latte den alten Abstand wieder her. „Die Tür mach auf, dass Tor mach weit“. Unter diesem Motto sah sich Handwerks Schöber genötigt, sich noch gewinnbringend in Szene zu setzen. Einen Freistoß aus gut 22 Metern sah er als sein Eigener an, niemand durfte in die Nähe des Balls kommen.
Zu Recht, denn seine Ausführung landete wie von Geisterhand oben im Knick zum 5:1. Nachspielzeit war nicht notwendig und so stand nach genau 90 Minuten ein deutlicher Heimsieg für die SG Handwerk zu Buche. „Derbysieger, Derbysieger“ hallte es durchs weite Rund. Und das vollkommen verdient. Nun war es vielleicht kein Auftritt mit viel Glanz und Gloria, aber es war eine souveräne Darbietung der Kreuziger – Elf.
Hatte man doch über die gesamte Spielzeit Ball und Gegner im Griff gehabt. Das man hinten raus noch einige Tore im Köcher hatte, zeigt den Willen und die Motivation dieser Truppe. Und es zeigte vor allem, egal wer auf dem Platz steht, mit Teamgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit ist sehr viel möglich. Bleibt zu hoffen, dass dieser positive Trend in den nächsten Wochen fortgesetzt wird.
(rt)
Aufstellung:
Schröter – Brentrop, Reeh, Erdmann, Schöber – Alabdullah (65. Ahmed Mohamud), Popien, Edmond, Langer (72. Schulz) – Kohnert (53. Zobel), Thurm
Tore:
1:0 Popien (30.)
2:0 Langer (71., Popien)
3:0 Ahmed Mohamud (78., Schulz)
3:1 Haegebarth (83.)
4:1 Brentrop (85., Popien)
5:1 Schöber (90.)
Gelbe Karten:
Edmond / Botea, Haegebarth, Aldinar, Hasler
Schiedsrichter:
Adrian Gehring (David Leid, Luis Holzhauer)
Zuschauer:
40
