.Und ewig lockt das Derby. Es war an der Zeit für die SG Handwerk, alte Rechnungen zu begleichen. Hatte man doch das Hinspiel ,aus welchen Gründen auch immer, gegen Schwarz – Gelb verloren. Das musste schleunigst bereinigt werden. Die eigenen Voraussetzungen waren sehr ordentlich. Denn die letzte Niederlage lag nun schon einige Wochen zurück.
Aber der Anpfiff war wie der Beginn der allerersten Fahrstunde. Handwerk kam überhaupt nicht in die Gänge. Gas und Bremse wurden ständig verwechselt. Der Motor ruckelte nur so vor sich hin. Von der Spielfreude der letzten Auftritte war nichts übriggeblieben. Die Gäste, nun wahrlich nicht vor Selbstvertrauen strotzend, waren besser in der Partie.
Wenn es offensiv etwas zu erwähnen gab, dann eher von TuS 1860. So war auch nicht verwunderlich, dass eben jene in der 17. Minute mit 1:0 in Führung gingen. Schlechtes Defensivverhalten, falsche Entscheidung getroffen, Tor. Vielleicht war ja das der ersehnte Weckruf für die SGH. Mit Larifarri würde man nun nicht mehr weit kommen. Manchmal bedarf es auch fremder Hilfe bei der Bewältigung eigener Probleme.
So war es ein Eigentor der Marke: „Unnötig“, das den Hausherren den 1:1 Ausgleich schenkte. Immer her damit. Irgendwie musste man ja in das Duell finden. Aber so wirklich konnte kein Team von den beiden Treffern Profit schlagen. Es blieb auch in der Folgezeit ein mehr als zähes Ringen. Erfolgversprechende Aktionen wurden im Keim erstickt oder selbst entschärft.
Dabei bot sich der SGH doch immer wieder die Möglichkeit, sich öffnende Räume zu nutzen. Aber die Leichtigkeit fehlte, der Spielwitz war nicht vorhanden. Folgerichtig murkelten sich beide Mannschaften mit dem Unentschieden in die Pause.
Derbyatmosphäre war weder zu sehen noch zu spüren. Einzig die Hoffnung auf Besserung hielt die Zuschauer wach. War es in der Kabine der Handwerker ganz laut oder ganz still ? Keine Ahnung, aber das Team trat zumindest ab Minute 46 ganz anders auf. Es war endlich Zug drin, es wurden Zähne gezeigt und schmerzlich vermisste Tugenden an den Tag gelegt.
Erleichternd kam hinzu, dass TuS den eigenen Schalter (zum Glück) noch nicht gefunden hatte. So kam die SGH fast minütlich besser ins Spiel, besann sich auf das, was man kann und was im Moment notwendig war. Wann kam er denn nun, der Brustlöser ? Waren in Durchgang 1 gute Möglichkeiten noch Mangelware, haperte es jetzt an der Chancenverwertung.
Aber in Minute 67 war es dann endlich soweit. Nach Vorlage von Helmecke war es Feldmann, der mit seinem Debüttreffer das so sehnlichst erwartete 2:1 erzielte. Um mal bei der Fahrschule zu bleiben, befand sich die SG Handwerk nun quasi auf der Autobahn. Kein Gegenverkehr, nur noch Vollgas und in eine Richtung. Langer mit einem Doppelschlag binnen weniger Momente schraubte den Zwischenstand auf ein beruhigendes 4:1.
Und als Popien noch einen drauflegte, konnte die Spielzeit gar nicht langsam genug verstreichen. Nun war es wie mit einer Flatrate an der Bar: „Einer geht noch rein“. Dieses Angebot nahm der inzwischen eingewechselte Zobel gerne an und schweißte das runde Leder sehenswert nach Vorlage vom eigenen Keeper humorlos unter die Latte.
Kann man mal so machen. Etwas weniger spektakulär machte es da Kollege Thurm und markierte aus Nahdistanz den 7:1 Endstand. Ein Derby hatte seinen klaren Sieger gefunden. Ohne das man diesem Spiel so richtig einen Namen geben konnte. War es spannend ? Nein. War es emotional ? Gar nicht. War es begeisternd ? In Teilen, aber auch nur für die Gastgeber.
Handwerk hatte sich lange, lange sehr schwer getan, um es dann am Ende doch so einfach aussehen zu lassen. Zuallererst: Derbysiege schmecken immer. Punkt ! Wenn sie dann in dieser Höhe ausfallen, gleich doppelt. Und wenn man in der Lage ist, an den richtigen Stellschrauben zu drehen, sollte sich allzu große Kritik in Grenzen halten. Ein letztes Mal zum Thema Auto: bringt man die vorhandenen PS auf die Straße, wird man noch einige Male die Ziellinie als Sieger überqueren. Natürlich nur, wenn man die Handbremse rechtzeitig gelöst hat.

(rt)

Aufstellung:
Ganzer – Brentrop (82. Kohnert), Erdmann, Raschig, Kleinert (74. Dieck) – Helmecke, Popien, Edmond, Langer – Thurm, Feldmann (74., Zobel)

0:1 Al Sawaf (17.)
1:1 Weber (22., ET)
2:1 Feldmann (67., Helmecke)
3:1 Langer (74., Thurm)
4:1 Langer (80., Helmecke)
5:1 Popien (81.)
6:1 Zobel (84., Ganzer)
7:1 Thurm (89., Edmond)

Gelbe Karten:
– / Henfler

Schiedsrichter:
Axel Bänsch (Steven Hartenberger, Tom Gärtner)

Zuschauer:
47